Lyrik | Werke
Sehnen
Oktoberabend daheim,
am Fenster sitz' ich still.
Werden die Verse zurückkommen?
Langsam schreiben sich Silbe und Wort.
Am Fenster sitz' ich still,
Oktoberabend daheim.
Herbstküsse
Als ich den Regen küsste,
war jede Perl' mir ein Tropf
voll wilder Lebenslüste,
Schauernass im Lockenkopf.
Später küsste mich der Tau,
lehrte frei und sanft zu spür'n,
dass die Weltlust fad' und rau,
und der Seele bös' sie zürn'.
Wenn deine Tränen ich küss',
wird mir traurig still das Herz,
als wenn meines horchen müsst'
deinem Lied und einem Schmerz.
Wellen
Es breiten sich der Lyrik Flügel
wie Lichterschwingen hell und weit
und fliegen grenzfrei ohne Zügel
auf Liebeswellen zur Ewigkeit ...
Weinstock
Der Weinstock trägt die Rebenzweige,
Die bleiben in ihm Tag und Nacht,
Damit sich Frucht um Frucht erzeige,
Gereinigt durch der Wahrheit Macht.
Die bleiben in ihm Tag und Nacht,
Durch seine Kraft sind sie erhoben,
Gereinigt durch der Wahrheit Macht
Für immer ewig ihn zu loben.
Durch seine Kraft sind sie erhoben,
Beschützt vor Gier und Dunkelbösem,
Für immer ewig ihn zu loben,
Bleibt er, um wahrlich uns zu lösen.
Beschützt vor Gier und Dunkelbösem,
Damit sich Frucht um Frucht erzeige,
Bleibt er, um wahrlich uns zu lösen:
Der Weinstock trägt die Rebenzweige.
Die Post
Die Post kam unauffällig schlicht
Und wär' nicht aufgefallen;
Der Umschlag einfach und frankiert,
Er glich den Briefen allen.
Doch als ich ihn geöffnet hatt',
Flog mir dein' Lieb' entgegen:
Du hast mir einen Kuss gesandt
Und kannst mein Herz bewegen.
Treue
Wir sollen umerzogen werden
Durch rechte, linke Schwafeleien;
Doch fremdeln reinem Sinn Gebärden,
Welch' Unsinn sich von Menschen leihen.
Denn gläubig Herz folgt der Wegwarte,
Die all'n der Schöpfer offenbarte.
Gründeln
Nachts am Flussgrund
gründeln Gedankenvagabunden.
Lässt sich den Stein der Weisen finden?
Zweifel graben tief und tiefer und
wenden Stein und Sandkorn.
Gedankenvagabunden gründeln
nachts am Flussgrund.
Labor
Ich ziehe
eine Kanüle auf
voll Unbewusstem
und injiziere ins
Papier ...
Atelier
Schöpfung will in Farben lieben,
Spielen, sprenkeln, streuseln, stupfen.
Pigment wird mit Öl gerieben,
Fröhlich kleckst das Malertupfen.
Spielen, sprenkeln, streuseln, stupfen,
Ein Haar fällt aus des Pinsels Quast.
Fröhlich kleckst das Malertupfen,
Mag Hell bei Dunkel, weil Kontrast.
Ein Haar fällt aus des Pinsels Quast,
Erlösung, Pein, Mut, Korrektur,
Mag Hell bei Dunkel, weil Kontrast,
Der Künstler schaut nicht gern zur Uhr.
Erlösung, Pein, Mut, Korrektur,
Pigment wird mit Öl gerieben,
Der Künstler schaut nicht gern zur Uhr:
Schöpfung will in Farben lieben.
Neu
Nachts am Maltisch still.
Ich tropfe Tuschen aufs Papier.
Das Weinen und der Schmerz?
Fällt eine Trän' ins Bild hinein
Und zeigt die Schöpfung neu.
Ich tropfe Tuschen aufs Papier
Nachts am Maltisch still.
Sentiment
Dem ganzen Winter hielt es Stand
Und blüht im Blumenkasten vorn',
Den Frost und Sturm heil überwand,
Drein wurde mir's zum Freudenborn.
Bleib' doch noch ein gelbes Weilchen
Im April, o lieb Hornveilchen.
Blüte
Duftlos
prachtet
im Februar
winterlachend
der Blütenschopf
als einziger:
die Kamelie.
Eremitage
Freude sel'ger Einsamkeit,
still umarm' mein ganzes Herz.
Von der Welt hast du befreit,
leit' die Seele geisteswärts.
Still umarm' mein ganzes Herz,
Einsamkeit, Geliebte du,
leit' die Seele geisteswärts:
Erdenzeit voll Himmelsruh'.
Einsamkeit, Geliebte du,
dankbar liege ich bei dir,
Erdenzeit voll Himmelsruh',
schenk der Reinheit süße Zier.
Dankbar liege ich bei dir,
von der Welt hast du befreit.
Schenk der Reinheit süße Zier:
Freude sel'ger Einsamkeit.
Lehrer
Die Stille bleibt der Lehrer mein,
Wohl ich ruh' in sanftem Frieden.
Sie übt mir das Gemüte rein
zu wandern himmelwärts hinieden.
Sehnsucht
Wenn flüchtig leise du mich küßt,
Und deine Schritte von mir gehn,
Will deiner Haut Geruch verwehn:
Mir ist, als wenn ich folgen müßt.
Ich will ja nur dein Lachen hören,
Das helle Kichern, wirre Klingeln,
Und spürn dein Herzensringeln,
Wenn unsre Sinne sich betören.
Ach, im Traum wird mir so wehe,
Wenn flüchtig leise du mich küßt;
Zu dir fliegt meines Blicks Gelüst:
Wenn ich nur dein Lachen sehe!
Malerei
Am Mittag an der Staffelei:
ich pinsele den Hintergrund
und bange: Wird's ein Allerlei?
Zum Grün das Rote leise summt,
verbreitert sich ins Wellenbunt.
Ich pinsele den Hintergrund
am Mittag an der Staffelei.
Bleib'
Zimtrau mit Limonenglühen
wie die Olive ohne Kern
schaun meine morgenfrühen
in deinen Seelenaugenstern:
Bleib!
Stärke
Wenn des Herzens Glück du liebst,
trau dir selbst. Achte, merke:
Welch Sehnen du zu Krümeln riebst.
Im Gemüt wohnt innen Stärke.
Trau dir selbst. Achte, merke:
Ewig ist dein Selbst der Wert!
Im Gemüt wohnt innen Stärke,
Vertraue, bis dein Ziel geklärt.
Ewig ist dein Selbst der Wert!
Wandre Schritt für Schritt bergauf,
Vertraue, bis dein Ziel geklärt,
Lass allen Träumen ihren Lauf.
Wandre Schritt für Schritt bergauf.
Welch Sehnen du zu Krümeln riebst.
Lass allen Träumen ihren Lauf,
Wenn des Herzens Glück du liebst.
Myosotis sylvatica
Vergissmeinnicht in edler Bläue
Verziern den Rand der Waldeskrume;
Am Haine blüht mit echter Treue
Der Adel dieser Herzensblume.
Karfreitag
Heute bebt die Weltgeschichte,
wenn Dein Leben ward zunichte.
Höre, Herr, auch unsern Schrei:
Herr für immer, Herr, verzeih'!
Karsamstag
Das Weltall saget heut' nichts mehr,
seit gestern schweigt das Leben leer;
ermordet ward der Liebste rein,
der Retter tot, und wir allein.
Ostern
Seit Ewigkeit, seit Ewigkeit
kein Weiser hätte je erdacht,
was Du an uns hast, Herr, vollbracht,
von Ewigkeit zu Ewigkeit,
dass wir durchs Opfer Deiner Macht
zu voller Seligkeit erwacht
in Ewigkeit, in Ewigkeit.
September
Müde schwer der Sonnenblume
Haupt neigt still sich erdenwärts,
Senkt die Kerne braun zur Krume,
Sehnt sich nach Ruh' und Schlaf und März.
Seelenweg
Weile sanft in stiller Leere,
Des wirren Weltenchaos müd',
Ruh' dich aus, mein Herz, und kläre
Vom Ewgen das, was bald verglüht.
Des wirren Weltenchaos müd'
Ward längst Besitz und Lust verdaut.
Vom Ewgen das, was bald verglüht:
Vergängliches lockt bunt und laut.
Ward längst Besitz und Lust verdaut,
Öffnet sich leis' der Weg zum Licht:
Vergängliches lockt bunt und laut.
Die Wahrheit bleibt, die Lüge nicht.
Öffnet sich leis' der Weg zum Licht,
Ruh' dich aus, mein Herz, und kläre:
Die Wahrheit bleibt, die Lüge nicht.
Weile sanft in stiller Leere.
Mobilé
Der Träumer wird zum Dichter,
Er hebt die Sprache in das Licht.
Die Lauen bleiben Gelichter,
Andre verstehen niemals nicht.
Er hebt die Sprache in das Licht,
Würdigt Klänge und jedes Wort.
Andre verstehen niemals nicht,
Die Leute schwatzen immerfort.
Würdigt Klänge und jedes Wort,
Wer Silben kann verehren!
Die Leute schwatzen immerfort,
Die Text um Text nur mehren.
Wer Silben kann verehren!
Die Lauen bleiben Gelichter,
Die Text um Text nur mehren.
Der Träumer wird zum Dichter.
Anfang
Im Schilfrohr sanft fängt sich ein Wind,
Des Menschen Ohr beginnt zu hören.
Mit Staunen lauscht dem Ton ein Kind,
Ein Summen, Flüstern und Betören.
Des Menschen Ohr beginnt zu hören.
Die Pfeifenflöt zeigt sich entdeckt.
Ein Summen, Flüstern und Betören,
Natur hat Künstlersinn geweckt.
Die Pfeifenflöt zeigt sich entdeckt,
Frei wird der Weg zum Instrument.
Natur hat Künstlersinn geweckt
Und horcht dem heitren Klang behend.
Frei wird der Weg zum Instrument,
Mit Staunen lauscht dem Ton ein Kind
Und horcht dem heitren Klang behend.
Im Schilfrohr sanft fängt sich der Wind.