Lyrik | Werke
Warten
Im Teiche äugt rot, hell und golden
Der Riesenkoi gen Himmel,
Er gerne wöllt' Libellen folgen
Bei ihrem Fluggewimmel.
Der Seerosteppich weiß und grüne
Lacht in der gelben Sonne,
Als sei der Weiher weite Bühne
Zum Spüren edler Wonne.
So lang' am Ufer still gesessen,
Und träumt' derweil von dir;
Ich habe alle Zeit vergessen:
Wann endlich bist du hier?
Gnade
Ein Sonntag im frühen Mai,
Ich stand im Hof der Kirche
Und lauschte der Kantorei.
Das Lied lobpries Maria,
Die einst den Herrn geboren,
Dank uns'rer mater pia,
Zum Segen für uns Toren.
Dann kniet's mich leise nieder,
Gesegnet mit Reu' im Sinn,
Und hört' die heil'gen Lieder,
Wie selbst ich begnadigt bin,
Erneut und immer wieder.
Einsicht
Das Treiben hier
Auf dieser Erd'
Ist voller Gier
Und hart beschwert.
Dem Empören
Folgt das Leiden,
Dann weghören
Bis vermeiden.
Das Herz weiß Rat
Zu jeder Zeit,
Denn in der Tat
Hilft Dankbarkeit.
Im Mai
Das Donnergrollen rollt herbei
Und will den Frühling schrecken.
In diesem Monat blüht der Mai:
Gewitter kann nur necken.
Hernieder prasselt Nasses viel
Zu tränken grün Gedeih.
Die Blitze blinken, heit'res Spiel:
So feiert nur der Mai.
Wege
Der Blütenteppich welkt schon bald,
Die Bäume nimmer Nester tragen,
Das Tal seufzt müde, leer und alt,
Vom Gipfel tönt es: Hast du Fragen?
Höre
Die Wälder ruhn in sich versunken,
umhüll'n das Tal mit grünem Gewand
und raunen von Ihm, der sie erfand.
Die Wälder stehn um dich versunken,
umfassen das Herz mit sanfter Hand
und flüstern von Ihm, dem du bekannt.
Die Wälder ruhn in sich versunken.
November
Müde wankt der Herbst in Lumpen
Und elend welkt sein grau Gesicht,
Sumpft zum Dunkeln gramversunken,
Nur sterben will er, tot sein nicht.