Thomas J.M. Weisweiler                                                                   


Lyrik   |   Werke

 

 

Warten

 

Im Teiche äugt rot, hell und golden
Der Riesenkoi gen Himmel,
Er gerne wöllt' Libellen folgen
Bei ihrem Fluggewimmel.

Der Seerosteppich weiß und grüne
Lacht in der gelben Sonne,
Als sei der Weiher weite Bühne 
Zum Spüren edler Wonne.

So lang' am Ufer still gesessen,
Und träumt' derweil von dir;
Ich habe alle Zeit vergessen:
Wann endlich bist du hier?

 

Gnade

 

Ein Sonntag im frühen Mai,

Ich stand im Hof der Kirche

Und lauschte der Kantorei.

 

Das Lied lobpries Maria,

Die einst den Herrn geboren,

Dank uns'rer mater pia,

Zum Segen für uns Toren.

 

Dann kniet's mich leise nieder,

Gesegnet mit Reu' im Sinn,

Und hört' die heil'gen Lieder,

Wie selbst ich begnadigt bin,

Erneut und immer wieder.

Einsicht

 

Das Treiben hier

Auf dieser Erd'

Ist voller Gier

Und hart beschwert.

 

Dem Empören

Folgt das Leiden,

Dann weghören

Bis vermeiden.

 

Das Herz weiß Rat

Zu jeder Zeit,

Denn in der Tat

Hilft Dankbarkeit.

 

 

 

 

Im Mai

 

Das Donnergrollen rollt herbei

Und will den Frühling schrecken.

In diesem Monat blüht der Mai:

Gewitter kann nur necken.

 

Hernieder prasselt Nasses viel

Zu tränken grün Gedeih.

Die Blitze blinken, heit'res Spiel:

So feiert nur der Mai.

 

 

 

 

 

Wege

 

Der Blütenteppich welkt schon bald, 
Die Bäume nimmer Nester tragen, 
Das Tal seufzt müde, leer und alt, 
Vom Gipfel tönt es: Hast du Fragen?

 

 

 

 

 

Höre

 

Die Wälder ruhn in sich versunken, 
umhüll'n das Tal mit grünem Gewand 
und raunen von Ihm, der sie erfand. 
Die Wälder stehn um dich versunken, 
umfassen das Herz mit sanfter Hand 
und flüstern von Ihm, dem du bekannt. 
Die Wälder ruhn in sich versunken.

 

 

 

 

 

November

 

Müde wankt der Herbst in Lumpen 
Und elend welkt sein grau Gesicht, 
Sumpft zum Dunkeln gramversunken, 
Nur sterben will er, tot sein nicht.